Mal was anderes

Eine Videoserie, die in Untiefen des Internets und der realen Welt eintaucht. Sehenswert.

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Russland als Siegermacht

Nach den Zerfall der Sowjetunion war es für den Westen unvollstellbar, dass der russische Bär noch einmal auf die Bühne der Weltpolitik zurückkehren konnte. Doch nicht nur ist Russland unter Wladimir Putin auf eben diese Bühne zurükgekehrt, es hat auch unter Beweis gestellt, dass es den Westen besiegen kann.

In Syrien stand für den Westen schnell fest, dass Assad verschwinden würde. Doch man hatte die Rechnung ohne Russland gemacht. Die Rebellen, größtenteils Islamisten, wurden systematisch zurückgedrängt. Dabei kam den Russen natürlich zugute, dass der Westen seine Unterstützung für Islamisten irgendwann aufgeben musste, um nicht jede Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Dabei geht es auch nicht um die Frage, ob Syrien mit Assad besser oder schlechter dran ist. Bemerkenswert finde ich den Umstand, dass Russland wie im Kalten Krieg wieder in der Lage ist Stellvertreterkriege zu gewinnen. Dabei ist Russland auf dem Papier noch nicht einmal sonderlich stark. Die Sowjetunion war zu ihrer Hochzeit eine ganz andere Liga. Es ist die Schwäche des Westens, welche sich immer deutlicher zeigt.

Trump spielt Star Wars

Vor einiger Zeit ordnete Trump das Pentagon an, die Aufstellung einer Weltraumstreitmacht vorzubereiten. Er selbst besitzt nicht die Kompetenz, die Organisation der US-Armee nennenswerte zu verändern, denn diese liegt mit dem Kongress. Trotzdem würde es mich nicht überraschen, wenn langfristig diese Anordnung tatsächlich umgesetzt wird.

Auf dem Papier existieren etwa bereits in Russland „Weltraumtruppen“, doch hier bei handelt es sich in Realität schlicht um die nukleare Bewaffnung in Form von Interkontinentalelraketen. Eben gerade keine Raumjäger.

Sollten die USA das Thema tatsächlich in naher Zukunft vorantreiben, wird Russland und vor allem China schnell mitziehen. Die Ressourcen dafür sind da. Der Wille aber im Moment noch nicht.

Für viele kleinere Staaten, die sich noch nicht einmal eine moderne konventionelle Bewaffnung leisten können oder wollen, wird es schwierig in diesen neuen Wettrüsten zu bestehen.

Es bleibt zu hoffen, dass das Geld doch eher in die zivile Raumfahrt gepumpt wird. Schließlich kann man sich auf diese Weise auch Prestige verschaffen. Genügend zu erkunden gibt es im Weltraum ja. Dort ist für alle Platz.

Irgendwas mit Antisemitismus

Es ist wieder eine neue Verkaufskampagne im Gange. Dieses Mal will der findige Käufer ein abstraktes Konzept mit konkreten Auswirkungen unter die Leute bringen. Den Antisemitismus.

Natürlich ist es nicht nur eine Frage von was man verkauft, sondern auch eine wie man es verkauft. Den steigenden Antisemitismus in Deutschland kann man vielen Gruppen in Rechnung stellen. Den doofen Deutschen mit ihrer viel zu geheuchelten Erinnerungskultur oder den muslimischen Zuwanderer aus Ländern, wo Judenfeindlichkeit zur Staatsdoktrin erhoben wurde.

So muss der Ministerpräsident Thüringens natürlich auch die AfD für die neue Welle des Antisemitismus in die Verantwortung nehmen. Das Hauptproblem sei aber „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Man ist dankbar für diesen wichtigen Hinweis.

Doch was ist der wirkliche Grund für den immer heftigen Antisemitismus in Deutschland? Die Antwort würde den Leser nur verunsichern.

Twittern als Privatperson

Bodo Ramelow, Ministerpräsident Thüringens, hat für einen kleinen Eklat gesorgt und unter Beweis gestellt wie „unabhängig“ so manche Journalisten und Redakteure agieren. Seien Empörung über eine einfache Frage zu einem von ihm verfassten Tweet reichte aus, um diese „aus Redaktionsgründen“ aus dem fertigen Beitrag verschwinden zu lassen.

Im Zentrum des Eklat stand ein Tweet Ramelows, in dem dieser dem Sohn eines thüringer Minister namentlich zum bestandenen Abitur gratulierte. Dies ist aus gleich zwei Gründen problematisch. Zum einen verletzt er dessen Recht auf informatielle Selbstbestimmug und beschert ihn einige, mit hoher Wahrscheinlichkeit ungewollte, Aufmerksamkeit. Zum Anderen kann die Nennung auch als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden werden, den jungen Mann doch bitte einen gut dotierten Posten im öffentlichen Dienst oder bei einer regierungsnahen Stiftung zu besorgen. Korruption und Vetternwirtschaft gibt es auch in Deutschland und meist von jenen, die sich selber als „die Guten“ sehen.

Die Verteidigung des thüringischen Ministerpräsidenten mutet fast schon amüsant an. Er twittere ja nur als Privatperson und deshalb darf man ihn auf keinen Fall auf diese Tweets ansprechen, wenn er als Ministerpräsident ein Interview bestreitet. Man stelle sich vor, Donald Trump, der ja auch seinen privaten Twitteraccount nutzt, würde sich auf dieses Argument berufen. Ich wage zu bezweifeln, dass der durchschnittliche amerikanische Journalist sich davon beeindrucken lassen würde.

Im Zweifel für den Anwalt

Der NSU-Prozess ist nach fünf langen Jahren zu Ende gegangen. Manche sind empört, dass nicht alle Fragen beantworten wurde, die Meisten haben schon jedes Interesse verloren. Ich zähle mich zu der letzteren Gruppe.

Das heißt aber nicht, dass den prozessualen Wirrwarr nicht noch die eine oder andere interessante Geschichte entsprungen ist. Die ARD veröffentliche eine Art Poträt der drei ersten Verteidiger von Beate Zschäpe (Link zum Beitrag der ARD). Der Beitrag ist sehr sehenswert und gibt einen kleinen Einblick in die Risiken und Belastungen, die ein solcher Prozess selbst für erfahrene Anwälte mit sich bringt. Das die Anwälte ausgerechnet auf die Namen Heer, Stahl und Sturm hören, kann als Ironie der Matrix abgetan werden. Ich glaube ja grundsätzlich nicht an Zufälle, besonders nicht solche fast schon satirischer Natur.

Im Rahmen der Dokumentation wurde die interessante Frage aufgetan, ob es gewisse Verbrecher gibt, die man nicht verteidigt. Anwälten wird in der Gesellschaft gerne vorgeworfen, sie prostituieren sich für kriminelle Gestalten. Das sie ihr Geld mit den Unglück anderer verdienen. Das sie sowieso immer lügen. Denn normale Bürger sind immer von grundauf ehrlich und lassen nie eine Lüge über die Lippen springen.

Doch an dieser Stelle muss man sich einen Umstand vor Augen führen: Der Angeschuldigte ist erst einmal nur das: ein Angeschuldigter. Ob er sich wirklich des vorgeworfenen Verbrechen schuldig gemacht hat, steht dahin. Wenn manche Vorwürfe alleine schon so schlimm seien, dass man sie unter keinen Umständen verteidigen dürfe, dann würde unser Rechtsstaat komplett ins Leere laufen. Der Vorwurf würde für das Urteil reichen. Das ist dann schlicht Hexenjagd.

Wer ein Mandat annimmt, indentifiziert sich nicht zwangsläufig mit den Mandanten, auch wenn das natürlich der Fall sein kann. Man denke nur an die „Szenenanwälte“. Seine primäre Aufgabe ist, so sehe zumindest ich das, das Gleichgewicht im Prozess so weit wie möglich zu wahren. Denn der Wahrheitsfindung ist es nicht zuträglich wenn eine Seite, in diesen Fall die Anklage, deutlich stärker ist. Und die Wahrheitsfindung ist immer noch die primäre Aufgabe des Strafprozesses. Den schnellen Sündenbock finden sicher Andere.

 

In die Softwarehölle I

 

Softwaredesign. Ein Thema mit dem ich in meinen Leben bisher nicht viel Berrührung hatte und das mich auch heute eigentlich nur dann beschäftigt wenn es negative Aufmerksamkeit erregt. Heißt in dem Programm, dass ich gerade nutze besonders schlecht gelöst ist. Schlechtes Softwaredesign treibt mich in diesen Tagen immer wieder zu Weißglut. Wenig ist in der Welt der elektronischen Geräte so frustrierend wie umständliche Menus, langsame Oberflächen und fehlende Einheit in der Bedienung.

Irgendwann kam ein „schlauer“ Mensch auf die Idee, dass die alten Designformen der Softwarewelt einfach nicht mehr zeitgemäß waren. Damit hatte er auch nicht wirklich unrecht. Alte Technologien sollten irgendwann ersetzt werden. Das gilt ebenfalls für Software und damit mittelbar auch für deren Aufbau. Frischer Wind muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein aber er ist eben auch nicht automatisch etwas Gutes.

Denn mit Neuerrungen kommt immer auch eine Menge Chaos. Was vorher in jahre- bis jahrzehntelanger Arbeit, Version für Version aufgeräumt wurde, lag auf einmal wieder chaotisch da. Und der durchschnittliche Nutzer war erst einmal verloren. Windows 8 und 10 lassen grüßen. Warum sollte der Nutzer auch wichtige Einstellungen an einem zentralen Ort finden, wenn man ihn auch gleich zwei (eigentlich sogar mehr) verschiedene Einstellungsmenus hinkotzen kann. Er darf dann Auswürfeln ob er die Einstellungsmöglichkeit, die er gerade sucht dort findet. Microsoft konnte sich bis heute nicht entscheiden ob Windows in Zukunft an mobile Betreibsysteme oder an klassische Betriebssysteme angelehnt sein soll. Und genausso wenig konnte sich Microsoft dazu durchringen, Relikte, die sie als veraltet ansehen, endgültig über Bord zu schmeißen.

Microsoft steht damit nicht alleine. Ob Website, klassisches Windowsprogramm oder App, vielen Entwicklern scheint es wichtiger mit farbenfreude und epilepsieauslösende Animationen um sich zu schmeißen. Einheitlichkeit, der größte Freund des Nutzers, bleibt dabei auf der Strecke. Neue Funktionen werden ohne Rücksicht auf Sinn und Nutzen hineingeschleudert, damit man sich selbst für „Innovationen“ preisen kann.

In gewisser Weise erinnern diese Trends an den „RGB-Fluch“, der die Hardwarehersteller seit einigen Jahren beherrscht. Nur das dieser mehr das Geld der Nutzer als deren Zeit und Nerven verbrannte und verbrennt.

Dieser brachte damals mit sich, dass auf einmal jedes Stück Hardware, vom Monitor zu der Maus vom PC-Gehäuse zu den SATA-Kabeln in herrlich bunten Licht erscheinen musste. Und natürlich auch blinken. Bringt eigentlich nichts aber genügen Konsumenten zahlen den Mehrpreis trotzdem gerne.

Die Suche nach dem Sinn geht weiter.

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