Für die Meinungsfreiheit I

Es gibt viele Sachen, die mich in meinem täglichen Leben stören. Andere Meinungen gehören gelegentlich auch dazu. Seien wir ehrlich: Niemand hört gerne Sachen, mit denen er nicht übereinstimmt. Niemand wird gerne aus seiner Komfortzone getrieben und mit verschiedenen Ansichten konfrontiert. Im eigenen Zirkel ist es doch am schönsten. Ferner hört niemand gerne schon tausende Male widerlegten Blödsinn. Ist Zensur also die Lösung? Nein, nicht wirklich. Nicht nur funktioniert diese im größeren Kontext und über längere Zeit nie. Wenn das Fehlen von Meinungsfreiheit Regime stabilisiert hätte, hätten die alten europäischen Monarchien nie fallen dürfen. Dann müssten wir noch einen Kaiser haben. Haben wir aber nicht. Desweiteren rollte der arabische Frühling trotz Geheimpolizei und Internetkontrolle durch Nordafrika und den Nahen Osten, nahm ganz ohne Meinungsfreiheit eine blutige Wendung. Vielleicht auch gerade deswegen. Assad half all die Meinungskontrolle und Repression nicht gegen den eigenen Kontrollverlust. Der Bürgerkrieg tobt seit Jahren.

Das Leben ist kein Wunschkonzert. Es ist voll von Widersprüchen und Konflikten. Eine heile Welt gibt es nicht und es wird sie nicht geben. Mit dieser Behauptung lehne ich mich nicht weit aus dem Fenster. Unsere Aufgabe muss also sein, eine Konfliktkultur zu schaffen, die möglichst wenig Schaden anrichten kann. Wenn verschiedene Interessen widerstreiten kann es schnell unschön werden. Die Geschichte ist voll von solchen Beispielen. Man könnte sagen: Wer diskutiert, schießt (noch) nicht. Das ist doch schon einmal etwas.

Glauben manche Menschen im Ernst, dass „hetzerische“ Ansichten verschwinden weil man sie verbietet? Dieser Glaube entspricht in keiner Weise der Realität (nicht das sich Ideologen von so etwas aufhalten ließen). Totalitäre Ideologien verschwinden nicht durch ein Verbot. Wer solche Gruppen in den Untergrund treibt, setzt eine unter Umständen fatale Kettenreaktion in Bewegung. Wer seine Ansicht nicht mehr öffentlich äußern kann, erfährt logischerweise auch kaum mehr Gegenwind. Er wird nicht in seinem Denken herausgefordert, er wird nicht dazu angestoßen, seine Ansichten zu hinterfragen. Er wird sich früher oder später mit Gleichgesinnten zusammenfinden und eine Echokammer direkt aus der Hölle erschaffen.

Advertisements

2 Kommentare zu „Für die Meinungsfreiheit I“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s