Bedeutung von militärischer Stärke

Mit dem Ende des kalten Krieges wurde großspurig „das Ende der Geschichte“ verkündigt. Der Westen hatte vorgeblich gewonnen. Er hatte endgültig beweisen, dass das westliche System allen anderen überlegen ist. Dieser Beweis allein war in den Augen der meisten Intellektuellen genug um den weiteren Siegeszug der westlichen Ideologien ohne Waffengewalt zu prophezeien. Mehr als zwei Jahrzehnte später ist der Irrtum offensichtlich.

Spätestens seit der Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim ist die schöne Zeit der sicheren und befriedeten Grenzen und Expansion westlicher Werte auch in Europa vorbei. Dabei spielt die Rechtmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit der Annexion keine Rolle. Das ist eine Debatte für einen anderen Tag. Was in jedem Fall offensichtlich ist, auch in Europa sind die Grenzen nicht mehr in Stein gemeißelt. Sie sind nicht mehr unpassierbar für die Streitkräfte anderer Staaten. Für die Sicherheitspolitik der europäischen Länder hat dies weitreichende Folgen. Nun ist militärische Stärke wieder etwas Wert.

Die Friedensdividende ist gefährdet, die Abrüstungsspirale steht vor ihren Ende. Zumindest wird in der Bundesrepublik schon von Aufstockung des Wehretats geredet. Ob dies dann umgesetzt wird ist eine andere Frage. Aber mit Putin im Osten und Trump im Westen stehen die Chancen für eine vernünftige Ausrüstung der Truppe in den nächsten 5-10 Jahren nicht schlecht.

Das liberale Establishment versucht häufig den Eindruck zu erwecken, man könne alle Konflikte ohne Gewalt lösen. Im Prinzip ist dieser Ansatz löblich, schließlich kann er dazu beitragen, dass Konflikte nicht erst eskalieren(Der erste Weltkrieg lässt grüßen). Dieser Ansatz ignoriert die einfache Realität, dass man in manchen Fragen nicht weichen kann und nicht weichen darf. In diesen Fällen wird die Kunst des Krieges zur wichtigsten Fähigkeit eines Staates. Unter keinen Umständen heißt dies, dass man die militärische Option immer offen ansprechen, oder sogar androhen sollte. Ein stümperhafter Polterer bringt seinen Staat nur Unglück, egal wie stark das Militär sein mag. Manche Kriege gewinnt man nicht und in manchen Konflikten gibt es nur Verlierer.

Die Sicherheit eines Staates muss im Notfall immer von diesem Allein gewährleistet werden können. Das Volk muss willens und in der Lage sein, seine Nation zu verteidigen. Vielleicht klingt das etwas pathetisch, doch ist der Nationalstaat immer noch die beste Garantie für die Freiheit und Sicherheit des Einzelnen. Es hilft sich vor Augen zu führen, dass autonome Entscheidungen, immer auch die Bereitschaft und Fähigkeit zur Konfliktführung erfordert. Wer sich nicht von anderen sagen lassen will, was er zu tun hat, muss früher oder später mit diesen in Konflikt gehen. Diese simple Idee lässt sich auch auf Staaten übertragen. Der mündige Bürger ist nur mündig, wenn er in einem unabhängigen Staat lebt. Und ein Staat ist nur wirklich unabhängig, wenn er seine territoriale Integrität gewährleisten kann.

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