Nordkorea

Der dicke Mann aus Pjöngjang tönt mal wieder. Sein Land, so sagt er, sei auf „jede Art von Krieg“ vorbereitet. Dies kann man als Optimismus bewundern oder als Wahsinn brandmarken. Nordkorea, mit seinen gut 24 Millionen Einwohnern und beschränkter Wirtschaftskraft, ist nicht gerade auf einen totalen Krieg vorbereitet. Auch erfolgreiche offensive Operationen erscheinen nicht gerade wahrscheinlich. Ein Blick auf die Streitkräfte zeigt warum.

Betrachten wir zuerst das Heer. Auf dem Papier ist es eine durchaus beeindruckende Truppe. Rund 1,2 der 1,3 Millionen aktiven Soldaten gehören dieser Teilstreitkraft an. Im Inventar stehen rund 3500 Panzer, 4600 Panzerhaubitzen und gut 20000 Geschütze. Diese Zahlen sind Schätzungen und spiegeln deshalb nur den generellen Trend wieder. Es ist kaum möglich, Aussagen darüber zu treffen, wie viel wirklich einsatzbereit ist. Nordkorea kämpft regelmäßig mit Ersatzteil- und Treibstoffmangel. Den Kern der Panzertruppe bilden T54 und T55, nach russischen Angaben sind sogar noch einige T34 im Besitz des Heeres. Modern ist etwas anderes. Im Gegensatz dazu sind die K1 Typ 88, die den Kern der Panzertruppe des Konkurrenten im Süden bilden, deutlich moderner. In Sachen Panzerwaffe hat der Norden gegen den Süden keine echte Chance. Nur in Sachen Artillerie könnte Norkorea den Vorteil auf seiner Seite haben. Seoul liegt in Reichweite der norkoreanischen Artillerie. Vorausgesetzt es steht ausreichend Munition für eine länger anhaltende Operation zur Verfügung.

Noch schlechter sieht es in der Luftwaffe aus. Die nordkoreanischen Luftstreitkräfte verfügen über gut 650 Kampfflugzeuge. Ähnlich wie beim Heer reduzieren auch hier Treibstoffmangel und Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung, die Zahl der tatsächlich einsatzfähigen Waffensysteme. Ein Blick ins Inventar zeigt, auch hier vor allem altes Waffengerät. Kopien der Mig 17, Mig 19 und Mig 21 bilden das Rückgrat der Luftwaffe. Zusammen machen diese rund 330 der 650 Kampfflugzeuge aus. Zu sagen, die Mig 17 sei veraltet, ist eine Untertreibung. Bereits während des Sechstagekriegs 1967 war dieser Jet veraltet. Auch die Mig 19 ist nicht viel besser. Die Mig 21 ist trotz ihres hohen Alters noch, vorausgesetzt einsatzbereit, ein brauchbares Flugzeug. Doch gegen die F16s der südkoreansichen Luftwaffe sind auch diese überfordert. Das „Ass“ im Ärmel der Norkoreaner sind die knapp 100 Mig 23s(56) und Mig 29s(35), sowie die 35 SU25 „Frogfoots“. Letztere sind brauchbare Erdkampfflugzeuge. Doch dies wird kaum reichen um die Lufthoheit gegen die südkoreanischen Luftwaffe zu erlangen. Für die Bodentruppen ist wohl die Rohrartillerie die größere Gefahr, als die paar Erdkampfflugzeuge.  Über die Zahl und Qualität der Flugabwehrsystem ist nur wenig bekannt. Die Flugabwehr besteht größtenteils aus einer Mischung aus sowjetischen und chinesischen Systemen.

Auch ein Blick auf die Marine lohnt sich. Über diese ist deutlich weniger bekannt. Sie verfügt über drei größere Überwassereinheiten mit Verdrängung zwischen 1.500 und 2.500 Tonnen. Ferner verfügt sie über rund 220 Schnell- und Patrouillenboote. Der schlagkräfstige Teil der Seestreitkräfte ist wohl die U-Boot-Waffe. 26 größere dieselelektrische U-Boote (russischer Bauart) stehen zur Verfügung, wenn auch die genaue Zahl der einsatzbereiten Einheiten unklar ist. Auch zu erwähnen ist die starke amphibische Komponente der Marine, welche im Kriegsfall Landungen im Rücken des Feindes vornehmen könnte. Chancen für solche Operationen stehen aber aufgrund der Überlegenheit der südkoranischen Marine und Luftwaffe nicht gut.

Wenn Nordkorea nicht der Überraschungsangriff des Jahrhunderts gelingt, stehen die Chancen auf einen offensiven Erfolg gegen Südkorea schlecht, selbst wenn man amerikanische Hilfe komplett außer Betracht lässt. Nordkorea bleibt realitisch keine andere Option, als auf ihre große stehende Armee und ihr Atomwaffenarsenal zu vertrauen, um vor Angriffen abzuschrecken. Somit sind die Äußerungen Nordkoreas nur leere Drohungen. Oder Wahnsinn.

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5 Kommentare zu „Nordkorea“

    1. Dieser Umstand gibt mir nach wie vor Rätsel auf. Ich habe keine guten Informationen dazu, wie groß der chinesische Einfluss auf Nordkorea ist.
      Aber werden die Chinesen ihre Verhältnis zu den USA für Nordkorea riskieren? Zumindest nicht, wenn Trump ihnen glaubhaft machen kann, dass dauerhaft keine US-Truppen auf der koreanischen Halbinsel verbleiben.

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      1. Trump hat dies ja in gewisser Weise bereits geschafft. Er hat China unter Druck gesetzt und gleichzeitig mit einen besseren „Deal“ gelockt, für den Fall, dass sie für ihn das Nordkorea „Problem“ lösen. Damit hat er sich in eine sehr gute Ausgangslage manövriert. Entweder China knickt ein und er hat gegenüber seiner Basis eine Ausrede für seine Zugeständnisse gegenüber der Volksrepublik (zudem könnte er sich auch damit rühmen, die Nordkoreakrise entschärft zu haben. Sicher kein kleiner Erfolg), oder er kann die Schuld auf China abladen.

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