Regime change

Wann immer aus gewissen Teilen der Welt grausige Nachrichten an die Öffentlichkeit geraten, ist ein Ruf zu hören. Der Ruf, nach militärischer Intervention in eben diesen Teilen der Welt. Man kann jetzt natürlich den militärisch-industriellen Komplex dafür verantwortlich machen, doch dies greift zu kurz. Ich wage zu behaupten, dass unter den Befürwörtern solcher Aktionen viele Menschen mit den richtigen Idealen sind. Doch gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

Betrachtet man die Sache aus einer emotionalen Perspektive, ist es menschlich verständlich. Niemand behagt es hilflos herumzustehen oder zuzusehen, während einen anderen Menschen grobes Unrecht widerfährt, selbst wenn man zu diesem keine nähere Verbindung hat. Der Ruf nach der grössten Keule, die die eigene Gemeinschaft zu bieten hat, ist dann nur logisch. In manchen Fällen ist der militärische Einsatz die einzige erfolgsversprechende Option, doch dies trifft lange nicht immer zu.

Wie die Vergangenheit zeigte, können solche Invasionen ein Weg in das totale Chaos sein. Dann verursachen sie mehr Leid als sie verhindern. Nicht zuletzt der Irakkrieg zeigt, was ein (vielleicht) gut gemeinter Einsatz an Schaden anrichten kann, wenn er nicht gut durchdacht ist.  Auch in Afghanistan unterliefen den Westen zahlreiche Fehler, die der dortigen Bevölkerung viel Leid zufügten und möglicherweise nicht mehr behoben werden können.

Gibt es erfolgsversprechende Alternativen? Zuerst gilt es die eigenen Limits zu kennen. Soldaten in ein Land zu schicken, um es in eine westliche Demokratie zu verwandeln, wird scheitern, wenn die Mehrheit der dort lebenden Menschen den westlichen Lebensstil ablehnt. Dies sollte eigentlich jeden einleuchten. So ist Afghanistan trotz ISAF-Einsatz Homosexualität immer noch mit dem Tode bedroht.(Reiseinformationen Afghanistan)

Dem Westen verbleiben andere Optionen. Zum einen ist da die gewaltige ökonomische Macht. Zum anderen die hohen Standards in Sachen (Rechts-)Sicherheit und der Freiheit des Einzelnen. An keinen Ort dieser Erde genießt man so viel Wohlstand und Freiheit. Dieser Realität kann sich auch die islamische Welt nicht auf ewig verschließen. Vielleicht will sie es auch gar nicht. Spätestens wenn das Öl versiegt (oder für die Weltwirtschaft keine große Rolle mehr spielt) werden die Karten neu gemischt. Die Migrationsströme zeigen welche Weltregionen attraktiv für den durchschnittlichen Weltbürger sind.

Nahezu alle Luxusgüter (und viele Konsumgüter) der Bevölkerung im arabischen Raum müssen entweder aus den Westen oder aus Asien importiert werden. Die eigene Industrie ist überschaubar. So ist Saudi-Arabien in Sachen Rüstung komplett auf den Westen angewiesen. Ohne Waffenlieferung haben die saudischen Truppen bald schwere Nachschubprobleme und könnten den Krieg im Jemen nicht fortsetzen. Ein komplettes Embargo würde den Scheichs ihre geliebten Mercedes entziehen, aber auch den Rest der Bevölkerung ohne Medikamente sitzen lassen. Der Westen kommt hier mit dem Vorschlaghammer nicht weiter. Aber sachte dosierte Sanktionen eignen sich gut, um die politische Entwicklung in den dortigen Ländern in die richtige Richtung zu lenken. Der Wandel wird nicht über Nacht kommen, es ist ein jahrzehntelanges Projekt. Ein Projekt, das auch bei uns noch lange nicht zu Ende ist.

 

Zwingen wir also unsere Politiker dazu nicht mehr bei Diktatoren anzubiedern, sondern bringen wir sie dazu das volle Arsenal des Westens (mit Bedacht und strategischen Geschick) einzusetzen.

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3 Kommentare zu „Regime change“

  1. Sehr nachdenkenswerte Argumente nur leichtes Unbehagen wegen des tradeoffs: 1000 vom Diktator Ermordete akzeptieren um 10000 „Eingreifstote“ zu vermeiden?

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    1. Man akzeptiert die Toten ja nicht nur weil man keine militärischen Maßnahmen trifft. Sonst müssten wir immer und überall einmarschieren wo unrechtmäßig getötet wird. Dies ist schlicht nicht möglich.

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