Prinzipien sind teuer

Das Chaos in Katalonien beherrscht die Schlagzeilen. Doch eine viel interessantere Beobachtung machte ich in den sozialen Netzwerken.

Warum sind eigentlich jene, die im Kampf gegen Merkel und Clinton immer die Wichtigkeit des Rechts betonten auf einmal auf der Seite einer katalanischen Regierung, die geltendes Recht bricht?

Warum attackieren sie die EU, die mit dem Kampf ums Referendum nichts zu tun hat?

Viele sogenannte „Rechte“ werfen ihre Prinzipien bei der ersten Gelegenheit ihre verhassten „Feinden“ eins auszuwischen überbord. Menschlich mag das verständlich sein, schließlich hat sich bei vielen (auch mir) großer Frust auf so manche Institutionen angestaut.

Doch wer als politische Bewegung langfristig erfolgreich sein will und vielleicht irgendwann die Regierung stellen will, braucht Prinzipien. Wenn man diese noch nicht einmal in der Opposition halten kann, sieht es bitter aus.

„Merkel muss weg“ und „Scheiß EU“ sind Parolen auf dem man keine stabile politische Bewegung aufbauen kann. Irgendwann wird Merkel weg sein. Die Frage ist, was machen die sogenannten „neuen Rechten“ dann.

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8 Kommentare zu „Prinzipien sind teuer“

  1. Das mit dem Recht ist hier schwierig. Wenn die Katalanen das wirklich in einer Abstimmung beschließen, können sie meiner Meinung nach das EU-Recht und spanisches Recht überstimmen. Kann man natürlich drüber streiten und genau solche Grundsatzdiskussionen können im schlimmsten Fall zum Bürgerkrieg führen.

    Viel interessanter finde ich aber, dass es immer mehr solcher Abspaltungsbewegungen gibt. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass wir immer weniger gesellschaftlichen Konsens haben. Ganze Staaten streiten darüber, wofür sie eigentlich da sind.

    Mir wäre ein einigeres Europa auch viel lieber als dieser Zerfall, aber eben nur mit einer Denkweise wie in Polen oder Ungarn.

    Von daher kann ich Abspaltungsbewegungen irgendwo auch verstehen: Manche Leute haben solch abstruse Meinungen und so wenig Bindung an die Gemeinschaft, in der sie leben, dass ich mit denen auch nicht mehr unbedingt in einem Staat zusammenleben möchte.

    Wenn es den Linken ähnlich geht, hab ich damit kein Problem.

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    1. „Wenn die Katalanen das wirklich in einer Abstimmung beschließen, können sie meiner Meinung nach das EU-Recht und spanisches Recht überstimmen.“
      Das können sie eben gerade nicht. Wenn wir dies annehmen würden, konnte jede Person mit Berufung auf die „Freiheit“ sich über das geltende Recht setzen. Zumal die Katalen der Verfassung, die sie bindet auch zugestimmt haben.

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      1. Das stimmt. Ist besonders ironisch, dass uns heute Amerikaner darüber belehren wollen, was Selbstbestimmung der Völker ist :-). Einen möglichen Bürgerkrieg würde hier aber klar Spanien gewinnen. Vielleicht melde ich mich ja freiwillig, bin ja in der Nähe 😉

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