Buchbesprechung I: What does this button do?

Autobiographien gehören zwar zu den beliebtesten Büchern auf dem Markt, wirklich interessant sind sie leider selten. Das liegt vor allem daran, dass sie der kapitalistischen Verwertungskette anheim gefallen sind. Wenn ein Footballstar im Alter von 25 bereits den dritten Band zu sechshundert Seiten herausbringt, kann auch das interessanteste Leben dieses Buch nicht mit relevanten Inhalt füllen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich bin kein großer Fan von Biographien oder Autobiographien. Dennoch konnte ich es mir nicht entgehen lassen in das neuste Werk des Iron Maiden Frontmanns Bruce Dickinson zu schauen. Die bereits im September 2017 veröffentliche Autobiographie hatte nicht zuletzt deshalb meine Aufmerksamkeit geweckt, weil ich ein fast fanatischer Fan der Band bin. Auch interessierte es mich wie gut der britische Heavy Metal Sänger eigentlich schreiben kann. Da traf es sich gut, dass ich eben jenes Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Im folgenden werde ich mich meinen Eindruck über das Werk schildern. Gelesen habe ich nur die englische Fassung.

Der Einstieg an sich ist wenig aufregend. In den ersten Kapitel handelt Dickinson seine Kindheit ab. 1958 in Worksop geboren verbrachte er die ersten Jahre vor allem mit seinen Großeltern. Als rebellisches Kind kam er auf einen stark christlich geprägten Internat weder mit den Lehrpersonal noch seinen Mitschülern zurecht. Irgendwie fand er trotzdem seinen Weg an die Universität, wo er ein Geschichtsstudium begann und schließlich in die Musikszene rutschte. Das erste Drittel des Buches ist nicht uninteressant, aber die folgenden zwei Drittel stellen das Erste doch deutlich in den Schatten. Das haben die meisten Kindheiten so an sich.

Scheidungen, Geburten und Drama sucht man im Buch vergeblich. Bruce hat sich bewusst dazu entschieden diese aus dem Buch auszuklammern und sich stattdessen auf seine musikalischen Schaffen als auch seine Karriere als Pilot und Unternehmer zu konzentrieren. Diese Entscheidung tut dem Buch gut und vermeidet, dass es auf Kaffeekranzniveau absinkt. Ich habe diese Themen nicht vermisst.

Stilistisch könnte das Buch mich ebenfalls überzeugen. Dickinson kann nicht nur gut singen, sondern auch gut schreiben. Zumindest was Autobiographien angeht. Er versteht es sich kurz zu fassen und die Erlebnisse trotzdem interessant darzustellen. Nie hat man das Gefühl, dass eigentlich noch etwas fehlt. Noch langweilt man sich durch eigentlich bedeutungslose Passagen.

Der britische Humor ist gut erkennbar und auch mit Selbstironie spart er sich. Die Kapital sind in sich geschlossen und die Länge dieser variiert stark. Einige sind nur wenige Seiten lang, andere bringen es auf zwei dutzend Seiten. Mit 366 Seiten hat das gesamte Buch auch die genau richtige Länge.

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