Au revoir! Soziale Netwerke

Seit Anfang 2015 verbrachte ich sehr viel Zeit auf Twitter. Die Plattform war super um nach den neusten Skandalen zu suchen, mit den Internetstars auf den Laufenden zu bleiben oder einfach anderen Leuten auf die Nerven zu gehen. Ich mag ein schlechter Mensch sein, aber gerade Letzteres war immer viel Spaß. Doch „Shitposting“ und „Online-Stalken“  verloren ihren Reiz. Im ewigen Geschreie der Hashtags wurde die eigene Aussage sowieso meist nicht wahrgenommen. Das Problem war hier die Plattform selbst oder besser gesagt, wie sie sich mit der Zeit verändert hatte. Der Algorithmus befeuerte zwangsläufig eine Echokammer, so dass man fast nur Tweets von Personen sah, mit denen man in vielen Sachen übereinstimmte. Umgekehrt landeten die eigenen Tweets auch fast nur bei Personen, die meist sowieso zustimmten. In 144 Zeichen (neuerdings auf mehr) ließen sich keine anständigen Diskussionen führen.  Alles in allem mutierte es zu einer reinen Zeitverschwendung.

Facebook und Twitter haben beide den chronologischen Newsfeed begraben. Diese auf den ersten Blick unwichtige Änderung hat die Plattformen für mich nahezu unbrauchbar gemacht. Was habe ich davon nur die Sachen zu sehen, die die Plattform für interessant hält? Die Änderung hat wirtschaftliche Gründe. Mehr Nutzer die länger auf der Plattform verweilen, führen zu höheren Einnahmen beim Betreiber. Um dieses Ziel zu erreichen und die Nutzer möglichst lange bei der Stange zu halten, werden zwangsläufig Inhalte verborgen, die negative Emotionen wecken könnten. Doch gerade diese Inhalte können sehr wichtig und interessant sein.

Ursprünglich mochte ich soziale Medien, weil sie mir ein ungefiltertes Bild der Stimmungslage in und außerhalb meines Freundeskreises darstellen konnten. Es gab keine „Gatekeeper“, keine elitären Journalisten oder Zensoren, die die Inhalte für mich filterten. Keinen Nanny-Algorithmus der Alles verbale Unheil von mir fern halten wollte. Man bekam das auf den Tisch, was gerade von sich gegeben wurde. Manchmal war es schön, manchmal eben auch nicht. Auch war es nicht immer interessant, aber zumindest authentisch. Wie authentisch man im Internet auch sein konnte.

Diese Zeit ist vorbei und ich habe meine Konsequenzen gezogen. Gegen Ende des letzten Jahres verbrachte ich immer weniger Zeit auf Twitter. Über Weihnachten wieder in der Heimat, legte ich mir eine soziale-Medien-Sperre bis ins neue Jahr auf. Dabei wurden mir zwei Dinge klar. Erstens, wie viel Zeit ich vorher immer noch auf der Plattform verschwendet hatte. Zweitens, wie wenig ich es vermisse und wie viel besser es für meinen Geisteszustand ist, meine Zeit mit anderen Dingen zu verbringen. So fiel es nicht schwer die App und das Lesezeichen in die ewigen Jaggründe zu verbannen. Mein Account besteht noch fort, da ich zu faul bin ihn zu löschen. Doch ich erwarte nicht ihn irgendwann noch einmal zu brauchen.

 

 

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