Alle Beiträge von Henrik

Jurastudent; Hobbyautor und Teilzeitwutbürger Lebe im Moment im sonnigen Spanien.

In die Softwarehölle I

 

Softwaredesign. Ein Thema mit dem ich in meinen Leben bisher nicht viel Berrührung hatte und das mich auch heute eigentlich nur dann beschäftigt wenn es negative Aufmerksamkeit erregt. Heißt in dem Programm, dass ich gerade nutze besonders schlecht gelöst ist. Schlechtes Softwaredesign treibt mich in diesen Tagen immer wieder zu Weißglut. Wenig ist in der Welt der elektronischen Geräte so frustrierend wie umständliche Menus, langsame Oberflächen und fehlende Einheit in der Bedienung.

Irgendwann kam ein „schlauer“ Mensch auf die Idee, dass die alten Designformen der Softwarewelt einfach nicht mehr zeitgemäß waren. Damit hatte er auch nicht wirklich unrecht. Alte Technologien sollten irgendwann ersetzt werden. Das gilt ebenfalls für Software und damit mittelbar auch für deren Aufbau. Frischer Wind muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein aber er ist eben auch nicht automatisch etwas Gutes.

Denn mit Neuerrungen kommt immer auch eine Menge Chaos. Was vorher in jahre- bis jahrzehntelanger Arbeit, Version für Version aufgeräumt wurde, lag auf einmal wieder chaotisch da. Und der durchschnittliche Nutzer war erst einmal verloren. Windows 8 und 10 lassen grüßen. Warum sollte der Nutzer auch wichtige Einstellungen an einem zentralen Ort finden, wenn man ihn auch gleich zwei (eigentlich sogar mehr) verschiedene Einstellungsmenus hinkotzen kann. Er darf dann Auswürfeln ob er die Einstellungsmöglichkeit, die er gerade sucht dort findet. Microsoft konnte sich bis heute nicht entscheiden ob Windows in Zukunft an mobile Betreibsysteme oder an klassische Betriebssysteme angelehnt sein soll. Und genausso wenig konnte sich Microsoft dazu durchringen, Relikte, die sie als veraltet ansehen, endgültig über Bord zu schmeißen.

Microsoft steht damit nicht alleine. Ob Website, klassisches Windowsprogramm oder App, vielen Entwicklern scheint es wichtiger mit farbenfreude und epilepsieauslösende Animationen um sich zu schmeißen. Einheitlichkeit, der größte Freund des Nutzers, bleibt dabei auf der Strecke. Neue Funktionen werden ohne Rücksicht auf Sinn und Nutzen hineingeschleudert, damit man sich selbst für „Innovationen“ preisen kann.

In gewisser Weise erinnern diese Trends an den „RGB-Fluch“, der die Hardwarehersteller seit einigen Jahren beherrscht. Nur das dieser mehr das Geld der Nutzer als deren Zeit und Nerven verbrannte und verbrennt.

Dieser brachte damals mit sich, dass auf einmal jedes Stück Hardware, vom Monitor zu der Maus vom PC-Gehäuse zu den SATA-Kabeln in herrlich bunten Licht erscheinen musste. Und natürlich auch blinken. Bringt eigentlich nichts aber genügen Konsumenten zahlen den Mehrpreis trotzdem gerne.

Die Suche nach dem Sinn geht weiter.

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Zwischen Populisten und Pleitegeiern

Italien bekommt nach den Chaos der letzten Monate vielleicht doch eine Regierung. Nachdem alles danach aussieht, dass die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega Nord eine Regierung in Rom bilden werden, sickern auch langsam schon die ersten Ideen an die Öffentlichkeit. Zum Beispiel ein guter alten Schuldenschnitt in Höhe von 350 Milliarden Euro und finanziert von der „europäisches Gemeinschaft“. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Idee in Brüssel und Berlin nicht gerade Begeisterungssprünge auslöste.

Großes Problem für Italien: Geld. Der Mittelmeerstaat ist hoch verschuldet und die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre war eher enttäuschend. Unter der hohen Schuldenlast droht das Land jetzt endgültig zu kollabieren. Die neuen Versprechen der angehenden Regierung werden da nicht helfen.

Sturkturreformen sind gefragt, doch diese sind im Moment mehr als unwahrscheinlich. Und selbst wenn sie kommen würden, der Schuldenberg könnte nur langsam abgebaut werden. Da mag es auf den ersten Blick einfacher erscheinen einfach Deutschland zahlen zu lassen.

Doch sonderlich zukunftsträchtig ist dieser Ansatz nicht.

Von Materialmangel zu Nachwuchsmangel

Es ist kein Geheimnis, dass die Bundeswehr ein Problem mit der Materialpflege hat. Viele Waffensysteme sind nicht einsatzbereit, Ersatzteile fehlen und auch die Beschaffung geht eher schleppend voran. Das alles obwohl die deutsche Politik schon seit mindestens zwei Jahren darauf pocht die Bundeswehr wieder fit für die Landesverteidigung zu machen.

Doch aus einer verkommende Truppe wieder eine schlagkräftige zu machen kostet Zeit und viel Geld. Jetzt kommte auf die Bundeswehr noch ein weiteres Problem zu. Eine Truppe ist am Ende des Tages nur so gut wie ihr Personal. Und der Mangel der letzten Jahre hat viele der engagierten und motiviertesten Soldaten tief frustiert. Da trotz der politischen Zusagen, Verbesserungen nicht in Sicht sind, schmeißen immer mehr von ihnen hin. Eine Truppe, die ihre Mannschaftsstärke eigentlich erhöhen will, wird davon schwer getroffen. Das Nachwuchsproblem wird zum zentralen Krisenherd der Bundeswehr.

Selbst wenn Deutschland langfristig das 2%-Ziel der NATO erfüllen würde, was im Moment reine Fiktion ist, würden das Nachwuchsproblem dadurch nur schleppend gelöst werden. Soldat ist im naiv pazifistischen Deutschland sowieso kein attraktiver Beruf. Wenn dann noch Materialmängel am Arbeitsplatz dazu kommen sowie die Politik einen mit neuen Aufgaben überlädt, werden alternative Karrieren um einiges attraktiver.

Warum ist Israel kein Mitglied der Nato?

Vor kurzen dürfte die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten ihren siebzigsten Geburtstag feiern. Entgegen vieler Erwartungen konnten sich der kleine jüdische Staat in einer Umgebung durchsetzen die kaum feindlicher hätte sein können. Doch Geburtstage bringen leider auch immer große Mengen leere Worthülsen mit sich.

Gerade in Deutschland mangelte es zu diesen Anlass nicht an großen Parolen. Nicht nur wollen Politiker die Angriffe auf Juden, so schlimm wie diese auch sein mögen, als Vorwand verwenden um Meinungs- und Versammlungsfreiheit wieder einzuschränken, auch zeigen sie im tatsächlichen Handeln überraschend wenig Elan. Sicher Deutschland hat Israel den ein oder anderen guten Waffendeal verschafft. Aber ist das genug um der vermeintlichen historischen Verantworung Gerecht zu werden?

Messen wir Deutschland an den Worten seiner Politiker, so wirkt die Unterstützung Israels mehr wie ein schlechter Witz. Dies könnte auch daran liegen, dass die tatsächliche Unterstützung für Israel in der deutschen Bevölkerung deutlich geringer ist. Seien wir ehrlich: Der jüdische Staat steht für die wenigstens von uns hoch auf der Agenda der wichtigen politischen Themen. Das muss er vielleicht auch nicht. Denn er ist weder sonderlich groß, noch eine Wirtschaftsmacht.

Dabei gebe es doch scheinbar eine einfache Lösung für die Sicherheit Israels. Es ist schon seltsam, dass der Staat kein Mitgleid der NATO ist. Gerade wenn man sich anschaut wer sonst noch so auf der Mitgliederliste steht.

Ein neues Wahlrecht

Noch nie war die Welt so mobil wie in der heutigen Zeit. Millionen von Menschen reisen in fremde Länder. Nicht wenige von ihnen bleiben dort. Um zu studieren, zu arbeiten oder sich eine neue Existenz aufbauen. Es gibt viele Gründe sich eine neuen Bleibe zu suchen. Doch mit vielfältigen Gesellschaften kommen auf Alle neuen Herausforderungen zu. Ob Konflikte zwischen Kulturen oder wirtschaftlich abgehängte Minderheiten. Multiethnische Gesellschaften sind nicht selten ein Pulverfass.

Eine dieser Herausforderungen ist die Ausgestaltung des Wahlrechtes. Ursprünglich war das Recht zu Wählen streng mit dem Bürgerrecht verbunden. Bis in die heutige Zeit wurde an diesen Grundsatz nur unwesentlich gerüttelt. Den Bundestag dürfen nur Deutsche wählen. Für manche wird das zum Problem.

Inzwischen leben Millionen Menschen in Deutschland, die dieses Recht nicht haben. Sie sind eben keine deutschen Staatsbürger und viele werden es vermutlich nie werden. Für eine repräsentative Demokratie kann dieser Umstand durchaus ein Problem darstellen. Idealerweise will man in einer solchen alle Bevölkerungsgruppen vertreten wissen.

Wenig überraschend haben einige Parteien dieses Thema für sich entdeckt. Es locken schließlich hunderttausende neue Wähler. So empfahl kürzlich eine Studie einer SPD nahen Stiftung auch den „Neuzugezogenen“, gemeint sind damit die Migranten der Migrationswelle seit 2015, das Wählen zu ermöglichen. Dort gibt man vor der Meinung zu sein, dies würde Integration fördern. Kritik an dieser Idee kam nicht nur aus dem konservativen Lager.

Inzwischen ist das Wahlrecht nicht mehr zwangsläufig an die Staatsbürgerschaft gebunden. Auf Kommunalebene dürfen EU-Bürger bereits seit geraumer Zeit mitwählen. Wie sinnvoll diese Regel auch sein mag, sie weicht zwangsläufig das vorher dargestellte Prinzip auf.

Wo soll die Grenze gezogen werden? Ab welcher Regierungseben sollen Ausländer nicht mehr mitwählen dürfen? Die Grenze kann mit sachlichen Gründen nur unscharf gezogen werden.

Westliche Demokratien bauen auf der geheimen, freien und gleichen Wahl auf. Gleichheit bedeutet hier schlicht, dass jede abgegebene Stimme genau gleich zählt. Doch dies ist nur eine Möglichkeit ein Wahlsystem auszugestalten. In der Geschichte wurde dies schon ganz anders gehandhabt. Im antiken Athen, die Wiege der Demokratie, war die Wahl zum Beispiel alles andere als geheim. Offene Abstimmungen in der Versammlung waren an der Tagesordnung. An die Wahlberechtigung wurden zudem höhere Anforderungen gestellt.

Was würde passieren, wenn wir uns vom Staatsbürgerprinzip abwenden und die Wahl stattdessen nach dem „Wer zahlt, bestimmt“ Prinzip ausgestalten? Hierbei würde nicht jede Stimme gleich zählen, sondern das Stimmgewicht proportional nach der erbrachten Steuerlast gewichtet. Dies wurde keineswegs bedeuten, dass nur eine kleine Gruppe wählen dürfte. Schließlich muss jeder in Deutschland lebende zumindest Mehrwert-steuer zahlen, wenn er im Supermarkt einkauft. Doch wer viel Steuer zahlen muss, hätte so mehr Einfluss auf die politischen Geschehnisse im Land. Kurz gesagt, er hätte mehr Einfluss darauf wofür die Steuern aufgewendet werden. Im Grunde ist das fair.

Der Ansatz bringt eine Serie von Problemen mit sich. Schon heute ist eine Bundestagswahl, ja eigentlich jede Wahl, ein gewaltiger organisatorischer Aufwand. Mit dem neuen Wahlsystem kämen weitere organisatorische Herausforderungen dazu. Schließlich müsste bestimmt werden, wer im fraglichen Zeitraum wie viele Steuern erbracht hat und wie sich das Ganze auf das Stimmgewicht auswirkt. Ferner müsste diese erbrachten Steuern einer Stimme zugeordnet werden, damit sich dieser Umstand auf die Gewichtung auswirken könnte. Eine geheime Wahl wird mit diesen System unmöglich. Die Formel zu Bestimmung der Gewichtung ließe mehr Raum für Manipulation, als es im aktuellen System der Fall ist. Schon heute wird bei der Auswirkung der einzelnen Stimmen auf die Sitzverteilung „getrickst“. Schließlich müssen die gewonnen Stimmen auf irgendeine Weise auf die Sitze im Bundestag umgerechnet werden.

Das neue Wahlsystem würde auch wirtschaftlich schwache Gruppen weiter an den Rand treiben. Schon heute fallen diese Gruppen nicht gerade durch hohe Wahlbeteiligung auf. Das neue System würde viele im Glauben lassen, sie könnten noch weniger bewegen. Wer sich im parlamentarischen System nicht vertreten sieht, neigt zu Radikalismus. Und eine Neuauflage des mörderischen Kommunismus kann man Deutschland und den Westen nun wirklich nicht wünschen.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich Linke für diesen Vorschlag nicht wirklich erwärmen können.

Au revoir! Soziale Netwerke

Seit Anfang 2015 verbrachte ich sehr viel Zeit auf Twitter. Die Plattform war super um nach den neusten Skandalen zu suchen, mit den Internetstars auf den Laufenden zu bleiben oder einfach anderen Leuten auf die Nerven zu gehen. Ich mag ein schlechter Mensch sein, aber gerade Letzteres war immer viel Spaß. Doch „Shitposting“ und „Online-Stalken“  verloren ihren Reiz. Im ewigen Geschreie der Hashtags wurde die eigene Aussage sowieso meist nicht wahrgenommen. Das Problem war hier die Plattform selbst oder besser gesagt, wie sie sich mit der Zeit verändert hatte. Der Algorithmus befeuerte zwangsläufig eine Echokammer, so dass man fast nur Tweets von Personen sah, mit denen man in vielen Sachen übereinstimmte. Umgekehrt landeten die eigenen Tweets auch fast nur bei Personen, die meist sowieso zustimmten. In 144 Zeichen (neuerdings auf mehr) ließen sich keine anständigen Diskussionen führen.  Alles in allem mutierte es zu einer reinen Zeitverschwendung.

Facebook und Twitter haben beide den chronologischen Newsfeed begraben. Diese auf den ersten Blick unwichtige Änderung hat die Plattformen für mich nahezu unbrauchbar gemacht. Was habe ich davon nur die Sachen zu sehen, die die Plattform für interessant hält? Die Änderung hat wirtschaftliche Gründe. Mehr Nutzer die länger auf der Plattform verweilen, führen zu höheren Einnahmen beim Betreiber. Um dieses Ziel zu erreichen und die Nutzer möglichst lange bei der Stange zu halten, werden zwangsläufig Inhalte verborgen, die negative Emotionen wecken könnten. Doch gerade diese Inhalte können sehr wichtig und interessant sein.

Ursprünglich mochte ich soziale Medien, weil sie mir ein ungefiltertes Bild der Stimmungslage in und außerhalb meines Freundeskreises darstellen konnten. Es gab keine „Gatekeeper“, keine elitären Journalisten oder Zensoren, die die Inhalte für mich filterten. Keinen Nanny-Algorithmus der Alles verbale Unheil von mir fern halten wollte. Man bekam das auf den Tisch, was gerade von sich gegeben wurde. Manchmal war es schön, manchmal eben auch nicht. Auch war es nicht immer interessant, aber zumindest authentisch. Wie authentisch man im Internet auch sein konnte.

Diese Zeit ist vorbei und ich habe meine Konsequenzen gezogen. Gegen Ende des letzten Jahres verbrachte ich immer weniger Zeit auf Twitter. Über Weihnachten wieder in der Heimat, legte ich mir eine soziale-Medien-Sperre bis ins neue Jahr auf. Dabei wurden mir zwei Dinge klar. Erstens, wie viel Zeit ich vorher immer noch auf der Plattform verschwendet hatte. Zweitens, wie wenig ich es vermisse und wie viel besser es für meinen Geisteszustand ist, meine Zeit mit anderen Dingen zu verbringen. So fiel es nicht schwer die App und das Lesezeichen in die ewigen Jaggründe zu verbannen. Mein Account besteht noch fort, da ich zu faul bin ihn zu löschen. Doch ich erwarte nicht ihn irgendwann noch einmal zu brauchen.

 

 

Große Koalition und die Wahl in Italien

Die Mitglieder der SPD haben sich mit großer Merhheit für die Fortführung der großen Koalition ausgesprochen. Doch alles Gerede von „staatspolitischer Verantwortung“ wird den Niedergang der SPD nicht aufhalten können. Der Partei fehlen Ideen und der Mut sich klar von der Konkurrenz abzugrenzen. Für naives Gutmenschentun wählt man lieber die Grünen, für harte Umverteilung die Linken und für die Interessen der Arbeiterschicht, nun für diese findet sich keine echte Alternative. Da aber die SPD deren Interessen nicht mehr ernst nimmt, wenden sich diese verstärkt der AfD zu oder werden zu Nichtwählern. So steuert die SPD auf die 5%- Hürde zu.

 

Während es für Deutschland weitergeht wie gewohnt, wird es in Italien deutlich spannender. Das von Krisen gebeutelte Land steht wirtschaftlich sehr schlecht da. Unkontrollierte Einwanderung aus Afrika sorgt für zusätzliche Spannung. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und die Perspektivlosigkeit, gerade für die Jugend, ist noch höher. Dennoch werden gerade die Jungen kaum zur Wahl erscheinen. Gerade deshalb kann vielleicht einen der angestaubtesten italienischen Politikern überhaupt, Silvio Berlusconi, das politische Comeback gelingen. Für Italien, ein Land, das dringend Reformen braucht, wäre das kein gutes Ergebnis.